L12-2 - Modifkationen

So gut der L12-2 auch ist, so gibt es doch Punkte die sich verbessern oder ändern lassen. Das betrifft Bauteile aber auch die Schaltung selbst.

Aber keine Sorge, diese Eingriffe sind leicht durchzuführen und rückbaubar.

Schauen wir nochmal auf den verstärker und sein Schaltbild.

Es fällt auf das die Serien-Kondensatoren C5 im Eingang und C8 im Gegenkopplungspfad Aluminium Elkos sind. Hier kann man kleinere hochwertige Folienkondensatoren parall schalten, die leicht auf die Unterseite der Platine gelötet werden können.

Ist der Ausgang eines Quellgerätes garantiert DC-Offset-frei, dann kann C5 auch ganz weggelassen werden.

Den Elkos C1/C2/C12/C13, die lokal die Betriebsspannungen entkoppeln, können ebenfalls kleine Folien oder keramische X7R Kondensatoren parallel geschaltet werden, z.B. MKS2 von Wima im Bereich 100nF-1µF, Rastermass 5mm oder SMD1812.

Sinnvoll ist eine Modifikation des Ruhestromabgleichs, da die Werte von Verstärkermodul zu Verstärkermodul doch arg schwanken. Der 1kOhm R19 kann durch einen 1,5kOhm Widerstand und parallel geschaltetem 5kOhm Trimmpoti ersetzt werden und erlaubt dann einen präzisen und gleichmässigen Abgleich.

Zwar hat die Endstufe bei mir noch kleine Zeichen von Instabilität gezeigt, aber gerade die CFP Ausgangsstufen gelten eigentlich als etwas empfindlicher für kapazitive Lasten als ein Darlington. Dabei sind es nicht einmal die grossen Kapazitäten im µF-Berich, wie es z.B.  Elektrostaten darstellen, sondern eher geringe Kapazitäten im höheren pF bis einige nF Bereich, wie es Kabel repräsentieren, die zur Oszillation anregen. Abhilfe schafft hier ein LR-Glied R35/L1 mit Werten von etwa 8-10Ohm für R35 und 1µH-2µH für L1.

Wer mag kann schliesslich auch noch die Hochstrompfade um die Leistungstransistoren herum mit aufgelötetem Kupferdraht und Lötzinn verstärken.

Damit wären die einfachen Modifikationen besprochen.

Weitere mögliche Modifikationen betreffen die Kompensationsnetzwerke und damit direkt das Signal-technische Verhalten des Verstärkers.

Diese Modifikationen sollten -solange nicht als sicher funktionierend bestätigt-messtechnisch begleitet werden.

Aus meinen Simulationen heraus scheint eine Änderung von einfacher Miller-Kompensation mit C11 auf eine 2-Pol-Kompensation (nur ein Kondensator und ein Widerstand zusätzlich) interessant.

Während die openloop Verstärkung mit Miller-Kompensation von sehr niedrigen Frequenzen an mit -6dB/oct fällt, bleibt sie bei der 2-Pol Kompensation bis in einige kHz hinauf konstant hoch, fällt darüber aber mit -12dB/oct ab.

Bei Miller nimmt somit der Gegenkopplungsfaktor ab niedrigen Frequenzen ab und der Klirrfaktor steigt an. Typisch sieht man dann ab 1kHz einen deutlichen Anstieg der Verzerrungen. Bei der 2-Pol Kompensation bleibt der Gegenkopplungsfaktor länger konstant hoch und damit steigt der Klirr erst bei wesentlich höheren Frequenzen an.

Nun gibt es kompetente Entwickler die sagen, das der sich mit der Frequenz ändernde Klirr klanglich bemerkbar macht, da er mit steigendem Pegel auch überproportional ansteigt. Das könnte vielleicht erklären warum einige Verstärker mit zunehmendem Pegel heller und härter klängen und sich die Klangbalance verschiebt. Bleibt der Klirrverlauf über der Frequenz aber konstant bis ca. 6kHz als sinnvolle Grenze, dann würde er mit dem Pegel gleichmässig und unauffällig ansteigen.

Versuche in diese Richtung könnten sich also als lohnend heraus stellen.